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GEO innovare:

Laudatio auf den Preisträger Hans-Josef Fell

 

Die Laudatio wurde am 22.01.2016 beim geo-net – Neujahrsempfang von Landrat Florian Töpper gehalten.

Laudatio:

Neben bewahren von Bewährtem ist „erneuern“, oder reformieren, anpassen an sich ständig änderten Anforderungen und Rahmenbedingungen erforderlich: Gesellschaften ändern sich, Arbeitsbedingungen, die Umwelt … alles ändert sich ständig. Die stetige Veränderung ist Voraussetzung für unser Leben. Ändert sich nichts, kommt es zur Erstarrung und Verkrustung. Gibt es lange keine Veränderung oder Anpassung, erfolgen die Änderungen ruckartig oder explosiv (Erdbeben, Revolutionen, Artensterben, Bankrott bei Unternehmen … ). Es ist somit unerläßlich Änderungen oder Erneuerungen zuzulassen oder auf den Weg zu bringen.

 

Es ist deshalb ist folgerichtig einen Preis für die Erneuerung zu vergeben. Die Erneuerung des Heimatstädtchens, aber auch für die globale Erneuerung. Ohne den Willen zur Veränderung vor Ort, in der Heimat, erfolgt auch keine notwendige Veränderung global auf unserer Erde.

 

"Global denken – lokal handeln“ kann auch als Überschrift für die Energiewende gelten. Um die globale Erwärmung mit all ihren negativen Folgen für die Umwelt aber auch für die Menschen zu verringern, müssen wir lokal handeln. Die großen Pläne werden bei den Staatskonferenzen wie zuletzt in Paris beschlossen, die Umsetzung erfolgt allerding lokal, zum Beispiel bei vielen Firmen die Anlagen entwickeln oder dann vor Ort montieren und warten, auf den Hausdächern der Eigenheimbesitzer oder den Scheunen der Bauern, auf den Flächen der Windparks oder in den Biogasanlagen der Landwirte. Seit der Jahrtausendwende hat die Entwicklung und der Ausbau der erneuerbaren Energien Fahrt aufgenommen.

 

Unsere Landschaft, auch im Landkreis Schweinfurt, hat sich seit dem Jahr 2000 verändert: Auf Dächern, aber auch auf Freiflächen, wurden Photovoltaikanlagen installiert, auf Anhöhen stehen zig weithin sichtbare Windkraftanlagen, Biogasanlagen tragen zur Stromversorgung aber auch zu einem sicheren Einkommen für Landwirte bei. Hunderte Arbeitsplätze in der Schweinfurter Industrie wurden neu geschaffen oder gesichert durch die Entwicklung oder Bau von Windkraftanlagen, für die die Schweinfurter Großindustrie die erforderlichen Komponenten liefert. Viele Handwerksbetriebe leben inzwischen von der Installation und Wartung der erneuerbaren Energieanlagen. Nicht mehr die großen Energieunternehmen, die „Dinosaurier“, die jahrzehntelang alles im Energiebereich dominierten, bestimmen und kassieren seitdem, sondern viele kleine Einzelakteure und Genossenschaften treiben die Entwicklung voran und erhalten auch die wirtschaftlichen Erlöse.

 

Im vergangenen Jahr wurde das AKW in Grafenrheinfeld nach jahrzehntelanger kontroverser Diskussion endgültig abgeschaltet. Das haben Bürgerinitiativen aus Schweinfurt und dem Landkreis, aber auch Grüne und SPD, seit Jahrzehnten gefordert. Ohne die Energiewende, ohne den Ausbau der erneuerbaren Energie, wäre dies niemals möglich gewesen.

 

Die Energiewende kam nicht von alleine. Seit den achtziger Jahren gefordert, gab es bis 1998 nur Pilotprojekte, ständig wechselnde komplizierte und finanziell schlecht ausgestattete Förderprogramme. Politiker der Union und FDP und vor allem im Hintergrund die Lobby der großen Energieunternehmen verhinderten erfolgreich jede Veränderung, jede Erneuerung hin zu den erneuerbaren Energien. Neben zukunftsträchtigen Konzepten bedurfte es einen Regierungswechsel und neue Akteure im Bundestag und in der Bundesregierung, um die notwendige Erneuerung einzuleiten.

 

Der heute zu ehrende Träger der Auszeichnung „GEO innovare“ stammt aus dem unterfränkischen Hammelburg, das übrigens bis 2014 von einem Gerolzhöfer, dem Ersten Bürgermeister Ernst Stross, „regiert“ wurde. Geboren 1952, war er fast schon von Geburt an (sein Vater Bürgermeister in Hammelburg) gesellschaftlich und politisch interessiert. Er studierte Physik (wie die Bundeskanzlerin) und wurde Lehrer am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Schweinfurt. Nach der Gründung einer Familie mit seiner Frau Annemarie errichtete die Familie ein Holzhaus mit Grasdach, das er selbst nach ökologischen und baubiologischen Kriterien konzipierte.

 

1990 wurde er in den Hammelburger Stadtrat gewählt, 1992 trat er den Grünen bei und 1996 zog er auch in den Bad Kissinger Kreistag ein. Ein Meilenstein war 1994 die von ihm initiierte Gründung der Hammelburger Solarstromgesellschaft, die erstmals in Bayern eine kostendeckende Vergütung durch die Stadtwerke für ihren Solarstrom erhielt. Ein Pilotprojekt hinsichtlich einer bundesweiten Regelung. Ihm war aber klar: alleine im kleinen Hammelburg kann eine bundes- oder gar weltweite Energiewende nicht eingeleitet werden. Dazu braucht es eine andere Bühne: den Deutschen Bundestag.

 

Der heutige Preisträger fragte 1997 bei Thomas Vizl, der auch Mitglied der Hammelburger Solarstromgesellschaft war, an, ob dieser ihn bei einer Kandidatur bei der Bundestagswahl 1998 unterstützen würde. Selbstverständlich, hatten doch beide gleiche Ziele. Beim Nominierungsparteitag der Bayerischen Grünen wurde er auf einen aussichtsreichen Platz nominiert und auch anschließend in den Bundestag gewählt. Nach der Wahl kam die rot-grüne Bundesregierung ins Amt und unser heutiger Preisträger war als Abgeordneter mit dabei.

 

Gemeinsam mit dem SPD-Abgeordneten Hermann Scheer war er Initiator und Autor des Erneuerbaren-Energien-Gesetz. In einer Zeit, als sich aufgrund des Regierungswechsels die Ministerien, Lobbyisten und Bremser neu sortieren mußten, schufen er und Scheer neue Fakten. Trotz Proteste der Lobbyisten, der CDU/CSU und der alten Energiewirtschaft trat das Gesetz im Jahr 2000 in Kraft. Mit weitreichenden Folgen.

 

Dieser Mann der dies erreichte ist Hans-Josef Fell, den ich heute hier begrüßen darf! Den „Vater“ des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.

 

Herr Fell, ihre Erfolge sind überall in Deutschland sichtbar, auch in anderen Ländern der Erde, die inzwischen das EEG übernommen haben. Vor allem aber hier in der Region und im Landkreis Schweinfurt. Der hier zuständige Energieversorger, die Unterfränkische Überlandzentrale Lülsfeld, vertreibt bereits über 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien.

 

Herr Fell, ihr Werk hat inzwischen Anerkennung gefunden, weit über ihre Partei hinaus.

 

Es wäre zu umfangreich alle Auszeichnungen hier auszuführen, die sie inzwischen erhalten haben, deshalb hier nur die wichtigsten:

        1994 – Deutscher Solarpreis – EUROSOLAR e. V.

        2000 – Solarpreis – Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e. V. (DGS)

        2000 – Energy Globe Award

        2002 – Erster Deutscher Geothermiepreis – Geothermische Vereinigung e. V.

        2003 – Deutscher Biogaspreis, Dr.-Heinz-Schulz-Gedenkmedaille

        2012 – Energy Award fürs Lebenswerk – joule (Energiefachmagazin) und RENEXPO

        2012 – Bayerischer Verdienstorden

        2015 – Bundesverdienstkreuz am Bande

 

Wir freuen uns, daß Sie heute hier bei uns sind und bitte sie nun zur Übergabe des Preises nach vorne zu kommen.

 

 

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