geo-net
06.12.2006
Einladung
im Januar 2007
Übergabefeier der erweiterten Gedenkstätte für die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger in Gerolzhofen
am Sonntag, 28. Januar 2007, 15:00 Uhr, Schuhstraße
Anschließend Fachvortrag: „Vorgeschichte des nationalsozialistischen Antisemitismus in Ostunterfranken“
von Thomas Schindler, M.A., Stadtarchiv Hassfurt, im Alten Rathaus am Marktplatz von Gerolzhofen.
Veranstalter:
Stadt Gerolzhofen, Bürgermeister Hartmut Bräuer
Bericht der Main-Post vom 30.01.2007
Zeitung
/ Gerolzhofen 30.01.2007 05:57
Erinnern an unsägliches Leid
GEROLZHOFEN
Genau einen Tag nach dem 62. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz am 27.
Januar 1945 hatte die Stadt zur Übergabefeier der erweiterten Gedenkstätte für
die jüdische Gemeinde von Gerolzhofen in die Schuhstraße eingeladen.
Der
im Jahr 1988 errichtete Gedenkstein erinnert an die vielen jüdischen Einwohner
der Stadt Gerolzhofen, deren Wurzeln schon auf das Jahr 1425 zurückzuführen
sind, als der Fürstbischof von Brunn den ersten Israeliten erlaubte, in
Gerolzhofen ansässig zu werden. Den einst 134 jüdischen Mitbewohnern widerfuhr
in den Jahren zwischen 1933 und 1942 unsägliches Leid. Wer von ihnen nicht
rechtzeitig die Stadt und Deutschland verließ, sollte diese Zeit nicht
überleben.
1942
letzte Deportation
So
wurden am 19. September 1942 die letzten vier Juden in der Stadt in das Lager
Theresienstadt deportiert. Gerolzhofen war seit diesem Tag „judenfrei“, so wie
es der Plan des nationalsozialistischen Regimes forderte.
Den
Standort eines Gedenksteines in der Schuhstraße fanden die Verantwortlichen
deshalb passend, da er unweit der ehemaligen Synagoge in der Steingrabenstraße
liegt, die schon zur damaligen Zeit privatisiert war. Im vergangenen Jahr kam
im Stadtrat auf Initiative von geo-net die Diskussion um die so genannten
„Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demling auf. Wie schon in Würzburg und
anderen Städten wurde vorgeschlagen, auch in Gerolzhofen diese kleinen
Messingtäfelchen zwischen den Pflastersteinen vor den einst von Juden bewohnten
Häusern anzubringen und mit einer Inschrift an sie zu erinnern.
Viele
der heutigen Hausbesitzer wünschten diese jedoch nicht, aber die Diskussion um
ein Symbol zum Gedenken an die jüdische Gemeinde der Stadt hat hierdurch eine
Eigendynamik erreicht, so Bürgermeister Hartmut Bräuer. Mit der neuen Gestaltung
des Platzes in der Schuhstraße wurde diese Erinnerung in einer würdigen Art und
Weise geschaffen.
In
der Pflasterung ist eine Steintafel mit hebräischen Schriftzeichen und der
deutschen Übersetzung „Friede, Friede den Fernen und Nahen!“ eingelassen. Neben
dem Gedenkstein wurde zusätzlich eine Schautafel aufgestellt, auf der ein
Zeitstrahl von 1933 bis 1942 mit den unvergesslichen Ereignissen dieser Jahre
sowie ein Plan der Innenstadt mit den ehemals jüdisch bewohnten Häusern und die
Namen der früheren Besitzer zu sehen sind.
Auch
heute Antisemitismus
Bürgermeister
Bräuer sieht den Platz auch als Mahnmal, wurden im letzten Jahr noch immer über
8000 antisemitische Handlungen in der Bundesrepublik registriert. Der
Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, Dr. Josef Schuster,
erinnerte noch einmal an die unfassbaren Verbrechen, die an den einst elf
Millionen Juden in Europa begangen worden sind. Sechs Millionen von ihnen
fanden damals den Tod.
Dekan
Josef Kraft und der Geistliche der evangelischen Kirchengemeinde, Martin
Oeters, riefen in ihrer Ansprache zu mehr Toleranz unter den Menschen auf, sehe
der christliche Glaube Gott doch als Vater aller Menschen an.
Ein
ganz besonderer Gast fand sich ebenfalls zur Übergabefeier ein. Die Tochter des
1921 in Gerolzhofen geborenen und 1936 nach Israel ausgewanderten Juden Gustav
Lichtenauer, Milka Zeiler-Lichtenauer, freute sich, in der Geburtsstadt ihres
Vaters eine würdige Gedenkstätte auch für ihre ermordeten Familienangehörigen
vorgefunden zu haben.
Vortrag
Im
Anschluss an die Feierstunde in der Schuhstraße hielt Thomas Schindler vom
Stadtarchiv Haßfurt einen Vortrag zur Vorgeschichte des nationalsozialistischen
Antisemitismus in Ostunterfranken, der nicht ganz den Erwartungen des Publikums
entsprach. In Anlehnung an die 1985 von Michael Pfrang herausgegebene Broschüre
„Die jüdische Gemeinde von Gerolzhofen“ verdeutlichte der Vortrag den Ursprung
antisemitischer Handlungen und ihre Folgen. Für die Zuhörer war es jedoch
schwierig, die Geschichte der Juden in Ostunterfranken auf Gerolzhofen zu
übertragen.
Von
unserer Mitarbeiterin patricia Kaspar
Ergänzend zum Bericht der Main-Post soll noch erwähnt
werden, dass Dr. Josef Schuster (Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde
Würzburg und Unterfranken) dazu aufforderte, in Gerolzhofen zusätzlich auch
Stolpersteine vor den Anwesen der ehemaligen jüdischen Bürger zu verlegen.
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