Gleichberechtigung als Chance03.10.2002 17:42
Gerolzhofen Die Stadt, sprich der Stadtrat, hat seit längerem eine Aufgabe, die seit 1996 in einem Landesgesetz verankert ist, vor sich hergeschoben: Die Einsetzung einer Gleichstellungsbeauftragten. 14 Gemeinden im Kreis haben bereits eine Gleichstellungsbeauftragte Um nun endlich Nägel mit Köpfen zu machen, hatte die Volkshochschule zu einem Informationsabend ins Alte Rathaus eingeladen. Es ging um die Gleichstellung der Frau als Chance für die Stadt, den Landkreis und die Gemeinden. Aus jedem dieser drei Sektoren waren tatkräftige Damen erschienen, die sich bereits mit dieser Aufgabe befassen: Ute Suckfüll für den Landkreis Schweinfurt, Maria Albert-Wirsching für die Stadt Schweinfurt und Veronika Klose für die Gemeinde Wasserlosen. Unter der Leitung von Margarethe Frey-Lingscheidt kam es zu einer sehr fruchtbaren Podiumsdiskussion, an deren Ende das Fazit stand: Jetzt oder nie. Die Moderatorin gab zunächst einen geschichtlichen Rückblick auf die lange Geschichte der Emanzipation der Frau. Die ersten Ansätze fallen ins 17. beziehungsweise 18. Jahrhundert. Aber erst ab 1908 sind politische Aktivitäten zu verzeichnen. Das Ende des Ersten Weltkriegs bringt 1918 den Frauen das aktive und passive Wahlrecht, bis es schließlich im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland heißt: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Nun stellt sich aber heraus, dass die Benachteiligung von Frauen heutzutage weniger auf einer rechtlichen Diskriminierung beruht als auf dem bestehenden Rollenverständnis in unserer Gesellschaft. Und so stellten sich die drei Gäste vor und begründeten, warum sie als Gleichstellungsbeauftragte tätig sind und wie sie sich ihre Arbeit vorstellen. Dabei erfuhren die wenigen, aber sehr interessierten Besucher der Veranstaltung (nur drei Stadträtinnen und zwei Stadträte von immerhin 20 waren erschienen), dass es erstmals 1982 eine Gleichstellungsbeauftragte gab. Während Veronika Klose ehrenamtlich tätig ist, arbeiten die beiden anderen Damen im Rahmen ihrer Behörde für die Gleichstellung, so Ute Suckfüll seit 1999 beim Landratsamt, Maria Albert-Wirsching seit 1993 bei der Stadt Schweinfurt. Sie sind Anlaufstelle für Fragen, Anregungen und Beschwerden und halten regelmäßig Sprechstunden ab. Sie halten Kontakt zu Frauenorganisationen, Institutionen, Verbänden, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalrätinnen. Fraueninitiativen und -projekte werden unterstützt. Bei Verwaltungsentscheidungen, Ausschuss- und Stadtratsvorlagen wird auf Fraueninteressen und Frauensichtweisen geachtet, und es werden, falls nötig, Änderungsvorschläge erarbeitet. In der anschließenden Diskussion wies Ute Suckfüll darauf hin, dass es im Landkreis bereits 14 Gleichstellungsbeauftragte gebe und es der Stadt Gerolzhofen gut zu Gesicht stände, nun nachzuziehen. Wichtig sei auch eine Vernetzung der Beauftragten vom Landkreis über den Bezirk zur Landesebene. Bürgermeister Hartmut Bräuer erläuterte, warum sich in Gerolzhofen auf diesem Gebiet noch nichts getan habe. In seinem Verwaltungsbereich gebe es auf dem diskutierten Bereich wenige Barrieren, und hier seien Frauen auch überdurchschnittlich präsent. So finde man außer in Gerolzhofen in ganz Bayern nur noch eine weitere Stadtbaumeisterin. Freilich habe er das erwähnte Gesetz von 1996 (bis 2006 gültig) im Auge, und an ihm werde die Berufung einer Gleichstellungsbeauftragten nicht scheitern. Schließlich wurde nach den Voraussetzungen für eine Bewerberin gefragt. Man war sich einig, dass eine gewisse Qualifikation unumgänglich sei, verbunden mit der Bereitschaft, sich einzuarbeiten und sich auch rechtlich weiterzubilden. Ein beruflicher Background und Lebenserfahrung sollten vorhanden sein. Ob ein Etat notwendig sei und wie es mit einer Entschädigung aussieht, blieb offen. Margarethe Frey-Lingscheidt bedankte sich bei den Gästen für die Bereitschaft, aus ihrer Arbeit zu berichten sowie bei den Besuchern für ihr Interesse an dem Informationsabend. Von unserem Mitarbeiter ERICH STRATMANN
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